Erinnerung an Rainer Maché

Rainer Maché ist im September 2016 von uns gegangen. Was für eine überaus große Lücke er hinterließ, wurde mir noch einmal ganz besonders bewusst, als ich mich in der freien Zeit über Weihnachten und Jahreswechsel an den Beginn unseres fachlichen Austausches erinnerte.

Den ersten Kontakt hatten wir etwa 1998 im Zusammenhang mit seiner Recherche zum Thema Bodenverdichtung. Rainer Maché arbeitete sich seinerzeit – extrem intensiv, wie es seine Art war – in das Thema ein. Er suchte dabei vor allem immer wieder das Gespräch mit Praktikern, die ihm von ihren Erfahrungen mit unkonventionellen Lösungen berichteten.

Er selbst erarbeitete damals auch persönlich einen unkonventionellen Ansatz, den Springer Bodenmeliorator, den er in der Fachzeitschrift Flur & Furche vorstellte. Dabei zeigte sich in herausragender Weise eine der Fähigkeiten, durch die Rainer Maché sich auszeichnete: Lange vor allen anderen, gerade auch vor Autoren der Fachpresse, sah er die wichtigen Zukunftsthemen. Da bohrte er sich mit ungeheurer Intensität hinein, erfasste alle Aspekte in erschöpfender Recherche, um dann das ganze Material so zu verdichten, dass am Ende alles in einem packenden Beitrag von zwei Seiten abgehandelt war.

Speziell erinnere ich mich an folgende Themen, die Rainer Maché in dieser bahnbrechenden Weise für die Allgemeinheit erschlossen hat:

  • Bodenmelioration – Springer Meliorator
  • Turm der Kraft (Orgon Energie)
  • CULTAN Düngung (mehrmals)
  • No Till
  • Energetische Produkte
  • Mykorrhiza
  • Wurzeln senden Signale
  • Pflanzen kommunizieren miteinander
  • Lokale Geldsysteme
  • Humussteigerung (u.a. Humusaufbau-Projekt Kaindorf)
  • Effektive Mikroorganismen (EM)
  • Prof. Albrecht – Neal Kinsey

Das ist nur ein kleiner Auszug der vielen, vielen Themen mehr, und aus den unterschiedlichsten Bereichen, die er verständlich zu präsentieren wusste.

Ständig hatte Rainer Maché bei den von ihm besprochenen Ansätzen den praktisch arbeitenden Landwirt vor Augen – das war sein Ausgangspunkt. Gerade auch bei den Problemthemen. So hatte er als Erster den Mut, das heiße Eisen »Glyphosat« in Deutschland anzupacken.

Immer wieder kam er auf den Leitgedanken zurück, an dem er sich bei seiner agrar-journalistischen Tätigkeit orientierte:

Ich schreibe über alles, was der Landwirtschaft hilft – dabei müssen alle Aussagen stichhaltig und nachprüfbar sein.

Bei manchen Themen hat es darum einige Zeit gedauert, bis er für sich genug Informationen beisammen hatte, um – bei seinen hohen Ansprüchen – eine Veröffentlichung verantworten zu können.

Als Bestätigung für die Nachhaltigkeit und Solidität seiner Arbeit konnte Rainer Maché darauf verweisen, dass er regelmäßig über vier Jahre und länger hinweg immer wieder Anfragen zu seinen Artikeln in Flur & Furche erhielt.

In seiner Zeit bei Flur & Furche war ich eine seiner wichtigsten Quellen, und es war einfach großartig, in ihm jemanden zu haben, der wirklich offen für neue Dinge war. Er rief mich regelmäßig an, um mal wieder »das Gras wachsen zu hören«, und recherchierte erhaltene Anregungen im Anschluss daran weiter, bis der Gegenstand in der Tiefe erfasst und unter allen Blickwinkeln gründlich beleuchtet war. Wie ein Spürhund nahm er die Fährte auf, ließ nicht mehr locker, ging auch Widersprüchen nach, bis er für sich eine adäquate Darstellung der Sache erarbeitet hatte. Einfach nur Pressenotizen von Firmen abzudrucken war nie seine Sache – nicht einmal, wenn sie aus dem eigenen Haus kamen. Obwohl er durch und durch ein John-Deere-Mann war!

Rainer Maché war für mich wahrhafter Freund, und meine ganze Familie hatte ihn ins Herz geschlossen. Besonders bei unseren Kindern hat er durch seine Besuche einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im persönlichen Gespräch brauchte man ihm nur ein paar Stichworte geben, und man bekam ein perfektes Referat geliefert, gespickt mit wertvollen Hinweisen und weiterführenden Ideen.

Eine seiner maßgeblichen letzten Arbeiten war die Fertigstellung der Übersetzung des Fachbuchs Hands-On Agronomy von Neal Kinsey. Das Werk, von dem es mittlerweile bereits eine zweite Auflage gibt, hat vielen Lesern, vor allem einem breiten Kreis an Landwirten und Gärtnern, in einer leicht verständlichen Art die Themen Basensättigung, Kationenaustauschkapazität, Nährstoffverhältnisse und den Einfluss von Nährstoffen auf die Pflanzengesundheit nahegebracht.

Dabei ist es viel mehr als eine Übersetzung geworden: Gegenüber dem Original zeichnet es sich durch die vielen Fußnoten und Kurzreferate aus, die prallvoll von Hintergrundinformationen zu behandelten Themen, Personen und Kulturen sind. Womit dieses ursprünglich nur für US-amerikanische Leser geschriebene Handbuch auch den Landwirten hier bei uns viele wertvolle Hinweise liefert – eine Leistung, zu der durch die Fülle seines Wissens einzig Rainer Maché imstande war.

Er plante eine ganze Reihe weiterer Übersetzungsprojekte und hatte bereits etliche Bücher ausgewählt, die er geeignet fand – immer unter dem leitenden Gesichtspunkt, den er so sehr betonte:

Das ist wichtig, das hilft den Landwirten!

Auch auf gemeinsamen Veranstaltungen, bei denen ich zu dolmetschen und übersetzen hatte, sprang er immer wieder ein, wenn ich nicht weiter wusste. Das lief wie bei einem Ballspiel, bei dem man sich blind die Bälle zuwirft, und er hatte eine unbändige Freude daran. Alle Teilnehmer haben sich noch lange mit großem Vergnügen an diese Auftritte erinnert.

Wir alle vermissen einen engen Freund und treuen Weggefährten.
Ruhe in Frieden, lieber Rainer Maché!

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